Ein Spaziergang durch den sehenswerten Ort Ritterhude

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Rubrik Stadtrundgänge / Ortsrundgänge
Länge 2,85 km
Dauer ca. 1 - 1,5 Stunden
Streckenverlauf Hamme Forum, Rathaus, Riesschule, Altes Schlossbrückensiel, St. Johannes-Kirche, Ritterhuder Schleuse, Alte Apotheke, Alte Post, Turnhalle, Pfarrhaus, Hamme Forum

Die Tour beginnt am Veranstaltungshaus Hamme Forum. Direkt an der Hamme gelegen, war dieser Standort schon immer beliebt. Um 1800 befand sich hier bereits eine Schankwirtschaft und in den folgenden Jahrzehnten waren an dieser Stelle diverse Lokale angesiedelt wie z. B.  ab 1898 Georg Wellbrock’s Sommergarten mit Kegelbahn, Tanzboden, Bäckerei und Kramhandel. Ein beliebter Treffpunkt ist das Hamme Forum als Veranstaltungsort immer noch. In den 1960iger Jahren kaufte die Gemeinde das Grundstück und errichtete dort eine für diese Zeit typische Mehrzweckhalle. Diese wurde 1998-2000 aufwendig modernisiert. Heute ist das Haus mit mehreren Veranstaltungssälen eine attraktive Location für Feiern, Kultur und Tagungen.

Der Spaziergang führt von hier aus in Richtung Ortsmitte, die Riesstraße entlang; benannt wurde sie nach den Brüdern Johann Friedrich und Hermann Hinrich Ries. Die Geschichte der in Ritterhude geborenen Brüder klingt wie ein Märchen. Die beiden Männer wanderten 1865 bzw. 1866 nach Amerika aus. Sie schafften es, in New York ein Vermögen zu erwirtschaften, in dem sie äußerst sparsam lebten und Gewinne aus ihrem kleinen Lebensmittelgeschäft an der Börse zu mehren. Damit traten sie später als Teilhaber im legendären Savoy-Hotel ein. Sie fühlten sich ihrer Heimat jedoch immer stark verbunden und zeigten sich äußerst großzügig. In den Jahren 1912 bis 1931 stifteten sie der Gemeinde Ritterhude die Mittel zur Errichtung der sechs „Riesgebäude“, darunter auch das 1928 eingeweihte Rathaus. Im wunderschönen Garten vor dem Rathaus befindet sich das Denkmal der Stifter, eine Stele mit Bronzereliefs der Brüder Ries. Der Vorgarten wurde 1990 vom Leiter des Bauamtes neu gestaltet und ist mehrfach ausgezeichnet.

Hier biegen wir links ab in die Rathausstraße und passieren rechterhand die heutige Sparkasse. Das Haus wurde Ende des 19. Jahrhunderts als eines der ortstypischen Bauernhäuser als sogenanntes Zweiständerhaus erbaut. Das Gebäude wurde von der Sparkasse erworben und umfassend renoviert. Im Jahre 1986 wurde diese vorbildlich durchgeführte Sanierung mit dem Preis „Europa Nostra“ ausgezeichnet. Gleich wieder rechts gelangen wir in die Goethestraße und sehen direkt an der Kreuzung die Riesschule, seinerzeit das modernste Schulgebäude Preußens. Es wurde 1930 in Betrieb genommen und ebenfalls von den Ries-Brüdern gestiftet. In dem Gebäude wird heute die Oberstufe des Gymnasiums unterrichtet.

Neben der Riesschule wurde das alte Schlossbrückensiel als historisches Zeugnis des Wasserbaus originalgetreu wieder aufgebaut. Die Tore wurden davorgelegt und eine Informationstafel beschreibt die Funktionsweise.

Dieses Siel ist 2010 erneuert worden und befand sich an der Schlossbrücke.

Wir gehen weiter entlang der Goethestraße und erleben hier einige vorbildlich sanierte alte Häuser.

Wir kreuzen die Windmühlenstraße und wer mag kann einen Abstecher zur Ritterhuder Mühle machen.  In der Mühle sind Besichtigungen von der Aussichtsplattform nach Anmeldungen möglich, um Alt-Ritterhude aus der Höhe zu genießen. Die Mühle hat ein Trauzimmer, dient dem Heimatverein Ritterhude und kann für Feierlichkeiten und kulturelle Zwecke genutzt werden.

Geht man weiter die Goethestraße entlang sieht man rechterhand die Kirche St. Johannes. Bis 1792 stand in der Ortsmitte nur eine hölzerne Kapelle. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrmals neu errichtet und umgebaut. Der jetzige Bau entstand im Jahre 1792 mit einem separaten Glockenstuhl. 1892 wurde ein Kirchturm angebaut. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche bei Umbauten 1809 und 1936. Auch hier zeigten sich die Brüder Ries spendabel; für das Kircheninnere stifteten sie die Holzvertäfelung, das Gestühl und eine Orgel. Der Friedhof rund um die Kirche wurde bis 1874 genutzt. Die Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert erinnern als Zeitzeugen daran. Auf unserem Rückweg werden wir Kirche entlang der Riesstraße erneut passieren. An der nächsten Kreuzung biegen wir rechts ab in die Bahnhofstraße und spazieren in Richtung Riesstraße, welche wir hier überqueren und an der Riesstraße 61 das Dammgut sehen, umgeben von einem großen Garten.  Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wird zum ersten Mal von einer Burg an der Stelle des heutigen Dammgutes berichtet. Hier hatten die Herren von der Hude ihren Wohnsitz neu aufgebaut. Die Burg, der Mittelteil des heutigen Dammguts, wurde als Pfahlbau in einer Graft mit Zugbrücke erbaut.

Bis 1775 blieb das Gut im Besitz der Familie v. d. Hude. Danach ersteigerte der spätere Bürgermeister von Bremen, Georg Gröning, das Dammgut, in dem heute noch die Familie von Rex-Gröning lebt. Die Familie Gröning ließ die Burg zu einem dreiflügeligen Herrenhaus umbauen. Das Gutshaus mit Park steht heute unter Denkmalschutz, ist ein privater Wohnsitz und nicht der Öffentlichkeit zugänglich.  Beim Dammgut biegen wir rechts in die Dammstraße ein, Richtung Ritterhuder Schleuse. Diese wurde 1874/75 zum Schutz gegen Sturmfluten für das ca. 40.000 ha große Niederungsgebiet „Hammeniederung“ gebaut. Über die Weser und Lesum drangen von See die Sturmfluten bis in die Niederung, wodurch die Landschaft im Laufe der Jahrtausende geformt wurde.

Die Schleuse sollte vor Überflutungen im Sommer schützen. Im Winter waren die Überschwemmungen erwünscht, denn der mitgeführte Schlick düngte die Felder. Am Ende der Schifffahrtssaison wurden die Schleusentore und alle Siele des St. Jürgenlandes geöffnet und bald bedeckte eine weite Wasserfläche das Land.

Die Schifffahrtsschleuse war 51,72 Meter lang und 6,15 Meter breit und konnte damit den größten Schiffstyp der Hammeschifffahrt, die so genannten Böcke, aufnehmen. Die Schleusenkammern haben heute eine Größe von 26 m Länge und 6,30 m Breite.

Im Wandel der Zeiten vergrößerte sich durch zum Beispiel die Weserkorrektionen der Tidenhub fortwährend und mehrere Generationen von Wasserbauern bemühten sich, die Schleuse den geänderten Beanspruchungen anzupassen. Erst durch den Bau des Lesumsperrwerks 1979 wurde die Ritterhuder Schleuse entlastet.

Neben dieser Schutzfunktion dient die Ritterhuder Schleuse aber auch als Schifffahrtsschleuse, indem sie die Wasserfahrzeuge auf die unterschiedlichen Wasserstände einstellt.

Die Ritterhuder Schleuse stellt ein lebendiges Symbol der Historie des Wasserbaus dar und steht wie auch einige Deiche in Ritterhude unter Denkmalschutz.

Nach Schätzungen gab es im Moorgebiet zur Zeit des Schleusenbaus 1500 Torfkähne von 1/3 – 1 Hunt. Im Eröffnungsjahr der Schleuse passierten 8994 Torfkähne, 65 Böcke und 81 Kähne voll mit Torf beladen das „Tor zum Teufelsmoor“, in der Hochsaison 500 Fahrzeuge am Tag.

Der geläufigste Schiffstyp war das ½ Hunt Torfschiff (ca. 10 m lang und 1,95 m breit), das 50 Körbe Torf fasste. Ein Hunt entspricht 12m³ und wurde vom Senat der Hansestadt Bremen als Raummaß festgesetzt. ¼ Hunt-Schiffe befuhren die kleinen Gewässer. Die ½, ¾ und die großen 20 Hunt Torf fassenden Bockschiffe waren die Schiffe der Torfhändler.

Wir kehren um und gehen zurück zur Riesstraße mit weiteren Riesgebäuden.

So finden wir bei Nr. 68 rechter Hand das Gebäude der damaligen Linden-Apotheke; 1926 zur ‚Förderung der Gesundheit‘ gestiftet.

Wenig weiter steht auf der linken Seite die Alte Post Nr. 53, 1932 als letztes der Riesgebäude erbaut. Heute beherbergt das Gebäude die Sozialstation der Gemeinde Ritterhude.

Wenig weiter auf der rechten Seite steht die Turnhalle. Es ist das erste Gebäude, das von den Brüdern Ries im Jahr 1912 gestiftet wurde.

Auf der linken Seite gegenüber vom Rathaus befindet sich ein weiteres Riesgebäude - das Pfarramt. Ein elegantes, würdiges Klinkergebäude.

Weiter entlang der Riesstraße gelangen wir wieder an den Ausgangspunkt unseres Spazierganges und beenden unseren Rundgang.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Erkunden Ritterhudes.

Ritterhuder SchleuseRiesgebäude - Alte ApothekeRiesgebäude - Riesschule, Oberstufe des Gymnasiumszurück